Willkommen auf der Projektseite des Teilprojekt 6!

Mitarbeiter:innen: Karola Pitsch, Felix Bergmann (Duisburg-Essen)

Projektübersicht

Eine detaillierte Projektübersicht mit Beschreibung von Daten, Methodik und Ergebnissen inkl. Publications findet sich auf der Homepage der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Pitsch: https://www.uni-due.de/kowi/mukom/forschung_pronomen

Beschreibung des Projekts

Ziel dieses Teilprojekts ist es, die multimodale Dimension von pronominaler Personenreferenz zu untersuchen und systematisch beschreibbar zu machen, wie sie in Interaktionssituationen mit komplexen Beteiligungsstrukturen eingesetzt wird. Ausgangspunkt ist eine grundlegend multimodale Verfasstheit von kommunikativen und sozialen Praktiken in face-to-face Situationen, derzufolge sprachliche Phänomene – hier: pronominale Personenreferenz – in ein dynamisches Zusammenspiel aus verschiedenen kommunikativen Ressourcen eingebunden sind. Verbalsprache, Blick, Gestik, Körperorientierung, Bewegung im Raum bilden gemeinsam „complex communicative Gestalts“ (Mondada 2014:140), die dynamisch im Interaktionsverlauf emergieren, konfiguriert und re-konfiguriert werden. Im Rahmen einer multimodalen Grammatik-in-Interaktion stellen empirische Untersuchungen zur Multimodalität von Personalpronomen und darauf basierende Konzeptualisierungen ein Desiderat dar.

Auf der Basis eines Video- und EyeTracking-Korpus von komplexen Notfallübungen (Massenanfall von Verletzten) adressiert das Projekt die folgenden Forschungsfragen: (1) Welche interaktiven Dynamiken und Muster zeigen sich im Zusammenspiel verbaler und verkörperter Ausdrucksmittel bei der pronominalen Bezugnahme auf Personen? (2) Wie lässt sich pronominale Personenreferenz als eine komplexe, sequenziell und interaktiv organisierte „communicative gestalt“ fassen? Gibt es eine funktionale Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen kommunikativen Ressourcen? (3) Wie wirken sich Interaktivität, ein dynamisches Participation Framework, Adressatenorientierung, Bewegung und Orientierung im Raum und Stancetaking auf die Praktik pronominaler Personenreferenz aus? (4) Was bedeutet es für das Konzept pronominaler Referenz, wenn diese auf verbaler Ebene ausbleibt und nur mittels Blick und körperlicher Aktivitäten Referenzierung hergestellt wird? (5) Wie verändert sich Personenreferenz je nachdem wie Personen institutionell kategorisiert werden (Schweregrad einer Verletzung bzw. tot, Ansprechbarkeit, Funktionsrolle) und welche Implikationen für Anschlußhandlungen erwachsen daraus?

Das Projekt erbringt Ergebnisse auf drei Ebenen: (1) Empirisch: Systematische Rekonstruktion von pronominaler Personenreferenz als multimodale Gestalt und in ihrer sequenziellen Positionierung, wobei die Funktion einzelner Modalitäten und die Rolle von Interaktivität, Mobilität und Beteiligungsstrukturen berücksichtigt werden. (2) Methodisch: Eine Verbindung von qualitativen mikro-analytischen Fallstudien und korpuslinguistischer Herangehensweise. (3) Konzeptuell: Einen Beitrag zur Weiterentwicklung einer multimodalen Grammatik-in-Interaktion und Entwicklung eines multimodalen Zugangs zu pronominaler Personenreferenz sowie eine Diskussion über den Status von „embodiment“ im Rahmen einer Grammatik.

DFG-Projekt „Multimodalität von Personenreferenz: Pronominale Personenreferenz in Notfallübungen von Medizinern und Feuerwehr“

Teilprojekt im Rahmen der Forschergruppe Praktiken der Personenreferenz (Essen, Hamburg, Münster – Sprecher: Wolfgang Imo)

Das Projekt „Multimodalität von Personenreferenz“ ist Teil der Forschergruppe „Praktiken der Personenreferenz“. Ziel dieses Teilprojekts ist es, die multimodale Dimension von pronominaler Personenreferenz zu untersuchen und systematisch beschreibbar zu machen, wie sie in Interaktionssituationen mit komplexen Beteiligungsstrukturen eingesetzt wird. Ausgangspunkt ist eine grundlegend multimodale Verfasstheit von kommunikativen und sozialen Praktiken in face-to-face Situationen, derzufolge sprachliche Phänomene – hier: pronominale Personenreferenz – in ein dynamisches Zusammenspiel aus verschiedenen kommunikativen Ressourcen eingebunden sind. Verbalsprache, Blick, Gestik, Körperorientierung, Bewegung im Raum bilden gemeinsam „complex communicative Gestalts“ (Mondada 2014:140), die dynamisch im Interaktionsverlauf emergieren, konfiguriert und re-konfiguriert werden. Im Rahmen einer multimodalen Grammatik-in-Interaktion stellen empirische Untersuchungen zur Multimodalität von Personalpronomen und darauf basierende Konzeptualisierungen ein Desiderat dar.

Projektvorhaben

(1) Welche interaktiven Dynamiken und Muster zeigen sich im Zusammenspiel verbaler und verkörperter Ausdrucksmittel bei der pronominalen Bezugnahme auf Personen? 

(2) Wie lässt sich pronominale Personenreferenz als eine komplexe, sequenziell und interaktiv organisierte „communicative gestalt“ fassen? Gibt es eine funktionale Arbeitsteilung zwischen den verschiedenen kommunikativen Ressourcen?

(3) Wie wirken sich Interaktivität, ein dynamisches Participation Framework, Adressatenorientierung, Bewegung und Orientierung im Raum und Stancetaking auf die Praktik pronominaler Personenreferenz aus?

(4) Was bedeutet es für das Konzept pronominaler Referenz, wenn diese auf verbaler Ebene ausbleibt und nur mittels Blick und körperlicher Aktivitäten Referenzierung hergestellt wird?

(5) Wie verändert sich Personenreferenz je nachdem wie Personen institutionell kategorisiert werden (Schweregrad einer Verletzung bzw. tot, Ansprechbarkeit, Funktionsrolle) und welche Implikationen für Anschlußhandlungen erwachsen daraus?

Daten: Massenanfall von Verletzten (MANV)

Das Projekt verfolgt dieses Interesse auf der Basis eines Korpus von komplexen Notfallübungen von Großschadenslagen (Massenanfall von Verletzten, MANV)Es umfasst Aufzeichnungen von 7 Übungen à 3 Stunden, welche jeweils mit zwischen 15 und 20 stationären und mobilen 4k-Kameras aufgezeichnet wurden. Zusätzlich tragen bei allen Aufzeichnungen ausgewählte Schlüsselpersonen im Setting Eye-Tracking-Brillen, um die Analyse von Blick-in-Interaktion zu ermöglichen.

Methodik: Konversationsanalyse & Korpuslinguistik

Korpus-AufbereitungAnnotationKorpus-Plattform
Der Korpus-Workflow für die systematische Aufbereitung von Daten aus multimodaler Interaktion und die Realisierung unserer MuKom-ZuMult-Instanz an der UDE sind in enger Synergie mit unseren Projekten ZAT (2023-2026, mit T. Schmidt und A. Ferger) und DataReuse (2022-2023, mit A. Ferger und A. Krause) entstanden. Im Verlaufe des Projekts wird das Korpus aus MANV-Übungen mit einem besonderen Fokus auf die beiden Einsatz-Situationen „Triage“ (n=185) und „Lagebesprechung“ (n=500) aufgearbeitet. Dafür werden manuell Transkripte in Elan erstellt, welche automatisiert lemmatisiert, normalisiert und POS-getaggt werden. Darüber hinaus werden konversationsanalytisch fundierte Annotationen wie Blick, Postur, Interaktionsaufgabe und Berührung ergänzt, um die praktische Funktion von Personalpronomen im Kontext komplexer Interaktionssituationen auch multimodal zu erschließen.Das so aufbereitete und annotierte Korpus wird über einen integrativen Korpus-Workflow in einer eigenen Instanz der Korpus-Plattform „ZuMult“ zugänglich und für die Analyse durchsuchbar gemacht.

Ergebnisse & Publikationen

Das Projekt erbringt Ergebnisse auf drei Ebenen: (1) Empirisch: Systematische Rekonstruktion von pronominaler Personenreferenz als multimodale Gestalt und in ihrer sequenziellen Positionierung, wobei die Funktion einzelner Modalitäten und die Rolle von Interaktivität, Mobilität und Beteiligungsstrukturen berücksichtigt werden. (2) Methodisch: Eine Verbindung von qualitativen mikro-analytischen Fallstudien und korpuslinguistischer Herangehensweise. (3) Konzeptuell: Einen Beitrag zur Weiterentwicklung einer multimodalen Grammatik-in-Interaktion und Entwicklung eines multimodalen Zugangs zu pronominaler Personenreferenz sowie eine Diskussion über den Status von „embodiment“ im Rahmen einer Grammatik.